Die Jägerprüfung erfolgreich abzulegen ist ein wichtiger Meilenstein. Die nächste Herausforderung besteht jedoch oft darin, ein geeignetes Jagdrevier zu finden. Gerade für junge Jäger kann es schwierig sein, Zugang zu attraktiven Jagdgebieten zu erhalten, da viele Reviere langfristig verpachtet oder bereits durch bestehende Jagdgemeinschaften genutzt werden. Es gibt jedoch verschiedene Wege, um in Deutschland eine Jagdmöglichkeit zu finden. Dazu gehören der Beitritt zu einer Jagdgemeinschaft, die Teilnahme an Gesellschaftsjagden, ein Begehungsschein, die Pacht eines Jagdreviers oder der Kontakt zu Jagdrechtsinhabern und Grundeigentümern. In diesem Leitfaden zeigen wir dir, wie du eine passende Jagdmöglichkeit finden kannst und welche Möglichkeiten es sowohl für Jungjäger als auch für erfahrene Jäger in Deutschland gibt.
Wie findet man Jagdmöglichkeiten in Deutschland?
Einen zentralen Marktplatz für alle Jagdmöglichkeiten gibt es in Deutschland nicht. Stattdessen werden Jagdreviere über Jagdpächter, Jagdgenossenschaften, private Grundeigentümer sowie persönliche Kontakte vergeben.
Der Deutsche Jagdverband (DJV) und die Landesjagdverbände bieten darüber hinaus Informationen für Jungjäger und vermitteln Kontakte zu regionalen Jagdvereinigungen. Viele Jagdmöglichkeiten entstehen außerdem über persönliche Empfehlungen oder lokale Netzwerke innerhalb der Jägerschaft. (DJV)
Einer Jagdgemeinschaft beitreten
Für viele Jungjäger ist der Einstieg über eine bestehende Jagdgemeinschaft der einfachste Weg.
Viele Revierinhaber suchen zuverlässige Mitjäger, die sich langfristig an der Revierpflege beteiligen und Verantwortung übernehmen möchten. Wer regelmäßig bei Revierarbeiten, Ansitzeinrichtungen oder Wildbergung hilft, baut Vertrauen auf und erhöht seine Chancen auf einen dauerhaften Jagdzugang.
Ein guter Ausgangspunkt sind die Kreisjägerschaften oder Landesjagdverbände des Deutschen Jagdverbands. Dort kannst du in Kontakt mit regionalen Jagdgemeinschaften, Weiterbildungen und Veranstaltungen für Jäger kommen.
Persönliche Kontakte spielen ebenfalls eine große Rolle. Sprich mit anderen Jägern, Jagdschulen, Schießständen oder Hegeringen. Viele freie Jagdmöglichkeiten werden nie öffentlich ausgeschrieben, sondern innerhalb des bestehenden Netzwerks vergeben.
Wenn du einen Revierinhaber kontaktierst, solltest du dich erst mal kurz vorstellen. Erzähle von deiner Jagd-Erfahrung, welche Wildarten du bevorzugst, und wie du dich aktiv in die Revierarbeit einbringen möchtest. Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit sind häufig wichtiger als langjährige Jagderfahrung.
Auch Online-Plattformen und Jagdforen bieten gelegentlich Möglichkeiten, Begehungsscheine oder freie Plätze in Jagdgemeinschaften zu finden. Prüfe dabei jedoch immer sorgfältig die Bedingungen und den Umfang der Jagderlaubnis.
Jagdpacht, Begehungsschein und Jagdmöglichkeiten
In Deutschland gibt es verschiedene Möglichkeiten, legal bei einem Jagdrevier dabei zu sein.
Viele Jäger jagen mit einem Begehungsschein. Dabei erteilt der Jagdausübungsberechtigte einer Person die Erlaubnis, in einem bestimmten Revier unter festgelegten Bedingungen zu jagen. Diese Form eignet sich besonders für Jungjäger, die zunächst Erfahrungen sammeln möchten.
Eine weitere Möglichkeit ist die Jagdpacht. Hier pachtet eine Einzelperson oder eine Jagdgemeinschaft ein Jagdrevier vom Jagdrechtsinhaber. Die Pachtdauer beträgt häufig mehrere Jahre und umfasst neben dem Jagdrecht auch Verpflichtungen zur Wildbewirtschaftung und Revierpflege.
Die Kosten einer Jagdpacht unterscheiden sich je nach Region, Reviergröße, Wildbestand und Nachfrage erheblich. Besonders Reviere mit starkem Schalenwildbestand oder guter Verkehrsanbindung erzielen häufig höhere Pachtpreise.
Vor Abschluss einer Jagderlaubnis oder eines Pachtvertrags solltest du hierauf genauer achten:
- welche Wildarten bejagt werden dürfen
- welche Jagdzeiten gelten
- ob Abschusspläne einzuhalten sind
- welche Verpflichtungen zur Revierarbeit bestehen
- welche Kosten zusätzlich anfallen
- welche Rechte und Pflichten der Vertrag umfasst
Wichtig ist außerdem: Das allgemeine Betretungsrecht von Wald und Feld berechtigt nicht zur Jagdausübung. Jagen darf ausschließlich, wer über die erforderliche jagdrechtliche Erlaubnis des Jagdausübungsberechtigten verfügt und alle gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt. (Bundesjagdgesetz)
Wo darf man in Deutschland jagen?
In Deutschland ist das Jagdrecht grundsätzlich an das Grundeigentum gebunden. Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass jeder Grundstückseigentümer selbst jagen darf.
Nach dem Bundesjagdgesetz ist das Jagdausübungsrecht an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Eigentümer kleinerer Grundstücke sind in der Regel Teil einer Jagdgenossenschaft, während größere Flächen unter bestimmten Voraussetzungen als Eigenjagdbezirk geführt werden können. Die tatsächliche Jagdausübung erfolgt häufig durch verpachtete Reviere oder durch Jagdausübungsberechtigte, die das Revier bewirtschaften.
Unabhängig davon benötigen Jäger einen gültigen Jagdschein und die Zustimmung des Jagdausübungsberechtigten, um in einem Revier jagen zu dürfen. (Bundesjagdgesetz)
Darf man auf dem eigenen Grundstück jagen?
Nicht unbedingt.
Auch wenn du Eigentümer eines Grundstücks bist, bedeutet das nicht automatisch, dass du dort selbst jagen darfst.
Kleinere Grundstücke gehören in der Regel zu einem gemeinschaftlichen Jagdbezirk, der von einer Jagdgenossenschaft verwaltet wird. Das Jagdausübungsrecht wird häufig an einen Jagdpächter vergeben, der für die Bewirtschaftung des Reviers verantwortlich ist.
Nur Grundstücke, die die gesetzlich vorgeschriebene Mindestgröße für einen Eigenjagdbezirk erreichen – deren genaue Anforderungen je nach Bundesland variieren können – können unter bestimmten Voraussetzungen eigenständig bejagt werden.
Darüber hinaus müssen selbstverständlich alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden, darunter Jagdzeiten, Abschusspläne, Wildschutzbestimmungen und die Pflicht zum Besitz eines gültigen Jagdscheins.
Darf man auf fremdem Grund jagen?
Nein.
In Deutschland darfst du nur mit Zustimmung des Jagdausübungsberechtigten jagen.
Diese Erlaubnis kann beispielsweise durch einen Begehungsschein, eine Einladung zu einer Gesellschaftsjagd oder als Mitglied einer Jagdgemeinschaft erteilt werden. In vielen Revieren erhalten Jungjäger zunächst einen Begehungsschein, bevor sie dauerhaft in die Revierarbeit eingebunden werden.
Eine schriftliche Vereinbarung schafft Klarheit über den Umfang der Jagderlaubnis. Sie sollte unter anderem regeln:
- in welchem Revier gejagt werden darf
- welche Wildarten freigegeben sind
- für welchen Zeitraum die Erlaubnis gilt
- welche Verpflichtungen hinsichtlich Revierpflege oder Wildbewirtschaftung bestehen
Wie groß muss ein Jagdrevier sein?
Die Anforderungen an die Größe eines Jagdreviers sind gesetzlich geregelt.
Für einen Eigenjagdbezirk schreibt das Bundesjagdgesetz grundsätzlich eine Mindestgröße von 75 Hektar zusammenhängender Fläche vor. Die Bundesländer können hierzu ergänzende Regelungen erlassen. Grundstücke unterhalb dieser Grenze werden in der Regel einem gemeinschaftlichen Jagdbezirk zugeordnet.
Für einzelne Jäger gibt es hingegen keine Mindestfläche, sofern sie mit Zustimmung des Jagdausübungsberechtigten in einem bestehenden Revier jagen.
Unabhängig von der Reviergröße stehen Sicherheit und waidgerechtes Verhalten immer an erster Stelle. Jeder Schuss muss verantwortungsvoll abgegeben werden, ohne Menschen, Gebäude, Straßen oder andere Erholungssuchende zu gefährden.
Bei Schalenwild gelten zusätzlich behördlich festgelegte Abschusspläne (nach Landesjagdgesetz), die einer nachhaltigen Wildbewirtschaftung dienen. Revierinhaber und Jagdpächter sind verpflichtet, diese Vorgaben einzuhalten.
Tipps für Jungjäger
Nach der bestandenen Jägerprüfung beginnt der eigentliche Einstieg in die Jagdpraxis.
Der beste Weg, Erfahrungen zu sammeln, besteht darin, zunächst gemeinsam mit erfahrenen Jägern im Revier unterwegs zu sein. Viele Jagdpächter vergeben Begehungsscheine an engagierte Jungjäger oder laden sie zu Gesellschaftsjagden ein.
Zeige Interesse an der Revierarbeit. Wildäcker anlegen, Hochsitze instand halten, Wildkameras betreuen oder bei Nachsuchen helfen – all das gehört ebenso zur Jagd wie der eigentliche Ansitz.
Geduld zahlt sich aus. Gute Jagdreviere werden häufig über persönliche Empfehlungen vergeben. Wer zuverlässig arbeitet, Verantwortung übernimmt und waidgerecht handelt, erhält oft langfristig bessere Jagdmöglichkeiten.
Auch der Beitritt zu einem Landesjagdverband oder einer Kreisjägerschaft ist empfehlenswert. Dort erhältst du Zugang zu Weiterbildungen, Schießständen, Veranstaltungen und einem wertvollen Netzwerk innerhalb der deutschen Jägerschaft.
Sobald du Zugang zu einem Jagdrevier gefunden hast, ist auch die richtige Jagdbekleidung entscheidend. Entdecke Pinewoods Jagdbekleidung und Zubehör – entwickelt für unterschiedlichste Wetterbedingungen und Jagdformen in Deutschland.
Häufig gestellte Fragen zum Finden von Jagdmöglichkeiten in Deutschland
Ist es schwierig, als Jungjäger eine Jagdmöglichkeit zu finden?
Der Einstieg kann etwas Zeit und Geduld erfordern, aber es gibt viele Möglichkeiten, als Jungjäger erste Jagderfahrungen zu sammeln.
Ein guter Ausgangspunkt sind Kreisjägerschaften, Landesjagdverbände oder Schießstände. Dort lernen Sie erfahrene Jäger kennen und knüpfen wertvolle Kontakte. Viele Revierinhaber vergeben zunächst einen Begehungsschein oder laden engagierte Jungjäger zu Gesellschaftsjagden ein.
Auch Jagdschulen und regionale Jagdveranstaltungen bieten hervorragende Möglichkeiten, sich ein Netzwerk aufzubauen. Wer sich zuverlässig zeigt und sich aktiv an der Revierarbeit beteiligt, verbessert seine Chancen auf eine langfristige Jagdmöglichkeit erheblich.
Kann man jagen, ohne selbst Land zu besitzen?
Ja. Die meisten Jäger in Deutschland besitzen kein eigenes Jagdrevier.
Stattdessen jagen sie mit einem Begehungsschein, als Mitglied einer Jagdgemeinschaft oder im Rahmen einer Jagdpacht. Viele Reviere werden von Jagdpächtern bewirtschaftet, die weiteren Jägern unter bestimmten Voraussetzungen die Jagdausübung gestatten.
Solange du einen gültigen Jagdschein besitzt und die Zustimmung des Jagdausübungsberechtigten hast, benötigst du kein eigenes Grundstück, um legal in Deutschland jagen zu können.
Was kostet eine Jagdpacht oder Jagderlaubnis?
Die Kosten hängen stark von Region, Reviergröße, Wildbestand und Nachfrage ab.
Ein Begehungsschein ist häufig die günstigste Möglichkeit, regelmäßig in einem Jagdrevier zu jagen. Die Kosten variieren je nach Umfang der Jagderlaubnis und den enthaltenen Leistungen.
Eine Jagdpacht ist deutlich kostenintensiver und richtet sich unter anderem nach:
- der Größe des Jagdreviers
- den vorkommenden Wildarten
- der Qualität des Wildbestands
- der Lage des Reviers
- der regionalen Nachfrage
Zusätzlich zur Pacht können weitere Kosten für Wildschadensersatz, Revierpflege, Versicherungen oder Beiträge zur Jagdgemeinschaft entstehen.
Vergleiche deshalb nicht nur den Preis, sondern auch die enthaltenen Rechte und Pflichten. Ein gut organisiertes Revier mit einem gesunden Wildbestand und einer aktiven Jagdgemeinschaft bietet langfristig oft den größten Mehrwert.